Heidelberg geht durch die Hölle – und siegt!

Heidelbergs Niklar Wuerzner mit dem Ball beim Spiel in der Pro A, MLP Academics Heidelberg (grau) - Rent4Office Nuernberg (gruen). Foto © PIX-Sportfotos *** Foto ist honorarpflichtig! *** Auf Anfrage in hoeherer Qualitaet/Aufloesung. Belegexemplar erbeten. Veroeffentlichung ausschliesslich fuer journalistisch-publizistische Zwecke. For editorial use only. (PIX-Sportfotos/Michael Ruffler)

Heidelbergs Niklar Wuerzner. Foto © PIX-Sportfotos *** Foto ist honorarpflichtig! *** 

Die MLP Academics Heidelberg haben das schwere Auswärtsspiel in Chemnitz 72:69 gewonnen. Vor 2075 Zuschauern machten die Kurpfälzer – trotz der Abwesenheit von Kapitän Albert Kuppe – einen großen Schritt in Richtung Playoffs. Wenige Sekunden vor Schluss verletzte sich aber Point Guard Niklas Würzner.

Die MLP Academics legten einen soliden Start aufs Parkett der wieder einmal stimmungsvollen Richard-Hartmann-Halle. Während die Hausherren zu Beginn in Korbnähe glänzten und zur Freude der Fans zwei Putback-Dunks verwandelten, zeigte sich vor allem Eric Palm nervenstark. Der 30-jährige Routinier versenkte drei Distanzwürfe und sorgte dafür, dass die NINERS keinen Lauf starten konnten (8:15, 6. Spielminute). Bis auf Martin Seiferth, der an alter Wirkungsstätte ebenfalls gut ins Spiel fand und mehrfach von seinen Kollegen in der Offensive gesucht wurde, fand Heidelberg offensiv aber nur zögernd ins Spiel. Da die Hausherren ihrerseits aber ebenfalls kaum ins Rollen kamen und in der Offensive keinen Zugriff zum Spiel fanden, sah sich Rodrigo Pastore zu seiner ersten Auszeit gezwungen (8:17, 7.). Nach der Ansprache des Argentiniers wurde aber deutlich, dass Frenki Ignjatovic offensichtlich den richtigen Gameplan gewählt hatte: Die MLP Academics überstanden die bis dato stimmungsvollsten Minuten – und festigten mit einer konzentrierten Leistung ihre Führung.

Während Joe Lawson zum Ende des ersten Spielabschnitts den ersten NINERS-Dreier versenkt hatte, gelang der zweite erfolgreiche Chemnitzer Distanztreffer im zweiten Viertel wesentlich früher. Der kurzfristig wieder genesene Michael Fleischmann verkürzte den Abstand weiter, Heidelberg blieb aber stets mit fünf bis sieben Zählern in Front (20:27, 13.). Daran hatte auch Lukas Rosenbohm seinen Anteil. Der 20-Jährige half, die durch den Ausfall von Albert Kuppe (grippaler Infekt) entstandene Lücke zu schließen. Er und seine Kollegen konnten aber nicht verhindern, dass die Hausherren nach einem zwischenzeitlichen Zehn-Punkte-Rückstand wieder herankamen. Einige Male in Folge standen sie nun an der Freiwurflinie und erarbeiteten sich dadurch die vermeintlich einfachen Punkte. Doch diese Phase überdeckte die Probleme der Chemnitzer nicht. Während die Gäste in der Offensive zu zahlreichen Korberfolgen kam, gelang es dem Team am defensiven Ende des Parketts, die NINERS zu schwierigen Würfen zu zwingen – und gleichzeitig den Rebound ausgeglichen zu gestalten. Deshalb war die Halbzeit-Führung verdient, sollte ab dem dritten Viertel aber einer Belastungsprobe unterzogen werden (33:42, 20.).

NINERS-Fans zünden akustisches Feuerwerk

Obwohl Ignjatovic seine Mannen auch nach dem Seitenwechsel zum besonnen Spiel anhielt, konnte das Team diese Maßgabe auf dem Parkett nur selten umsetzen. Heidelberg spielte sich zwar einige Dreipunktwürfe heraus, fallen wollte davon jedoch keiner durch die Reuse. Chemnitz war seinerseits ebenfalls nicht zwingend genug, um die Wende zu erzwingen (39:49, 25.). Die Fans waren nun dennoch voll da und versuchten, ihr Team zu tragen – und da sich die Sachsen wieder mehrfach an der Linie versuchten, knabberten sie auch wieder am Rückstand. Und spätestens als nach einem Fleischmann-Dreier und einem kleinen Chemnitzer Lauf die Halle endgültig zum Beben brachte, war die Partie wieder auf Messers Schneide. Obwohl den MLP Academics offenkundig etwas die Nerven flatterten, lagen sie aber weiterhin in Front (49:53, 30.).

Die Erschöpfung steht den MLP Academics ins Gesicht geschrieben: Heidelberg erarbeitete sich einen extrem wichtigen Auswärtssieg. Foto: Matthias Lautenschläger.
Wie bereits vor Wochenfrist packte Evan McGaughey zum Beginn des Schlussabschnitts Heidelberg auf seine Schultern. Der Power Forward übernahm die Verantwortung, traf einen Mitteldistanz-Wurf und ließ sich einen Angriff später von Joe Lawson an die Linie schicken. Durch diesen kleinen Zwischenspurt verschaffte er seinen Farben wieder etwas Luft – wirklich absetzen konnten sich die Kurpfälzer jedoch auch in der Folge nicht. Ein Dreier von Niklas Würzner sorgte aber zumindest für weitere Luft zum Atmen (55:63, 35.). Die NINERS, die sich weiterhin nicht abschütteln ließen, ließen ihr Herz auf dem Feld – und kamen in der 37. Spielminute aufgrund zweier folgenschwerer Heidelberger Unkonzentriertheiten bis auf einen Zähler heran (63:64), sodass es noch extrem lange drei Spielminuten wurden. Erst in den sprichwörtlichen letzten Sekunden sollte schließlich die Entscheidung fallen. Niklas Würzner vergab acht Sekunden vor Schluss den ersten fällig gewordenen Freiwurf, versenkte aber seinen zweiten Versuch (67:70, 40.). Andrej Mazurczak machte seine Sache besser – und machte beide Freiwürfe, sodass Heidelberg bei noch sechs verbleibenden Sekunden wieder in Ballbesitz kam (69:70). Wie bereits im kompletten Spielverlauf behielten die Gäste im entscheidenden Moment die Nerven – und feierten den nächsten Big-Point-Sieg.

Großer Jubel wollte im Abschluss aber nicht aufkommen. Niki Würzner verletzte sich wenige Sekunden vor Schluss – und musste nach einem harten Schlag gegen das Knie unter großen Schmerzen das Feld verlassen. Der 24-Jährige gab in der Kabine zwar leichte Entwarnung, wirkliche Gewissheit wird es aber erst in den nächsten Tagen nach einer ärztlichen Untersuchung geben.
Durch den Sieg festigt Heidelberg den vierten Tabellenplatz – und kann die aktuelle Situation mit einem weiteren Big-Point-Sieg veredeln. Leichter wird es aber auch dann nicht: Die MLP Academics müssen nach Kirchheim.

Statements und Stats

Frenki Ignjatovic: „Erst einmal bin ich sehr erleichtert und froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Hier zu bestehen, ist extrem schwer. Ich als Trainer genieße eine solche Stimmung wie heute. Mir macht das extrem Spaß – und zeigt, dass wir diesen Job nicht nur wegen des Geldes machen. Zum Spiel: Wir wussten, dass es hier nicht leicht wird, haben meiner Meinung nach aber eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Chemnitz hat dann zum Ende gezeigt, wie sich die zweite Halbzeit entwickeln würde. Die Schiedsrichter waren sicherlich ein Thema, aber wir haben unsere Führung gut genutzt. Im vierten Viertel machen wir dann, direkt nach einer Auszeit, zwei unnötige Fehler. Wir hatten heute eine schwierige Situation: Der Ausfall von Albert Kuppe wog schwer. Es spricht für das Team, dass wir das kompensieren konnten. Es war ein extrem wichtiger Sieg in Richtung Playoffs. Und ich bin extrem froh – Danke an die Gesellschafter und Matthias Lautenschläger –,dass wir schon gestern angereist sind und gestern hier trainieren konnten. Ich bin mir sicher, dass wir ohne den Extra-Tag bei einem solch engen Spiel heute nicht gewonnen hätten.“

Rodrigo Pastore: „Wir hatten bis zum Ende die Chance, das Spiel zu gewinnen. In der ersten Halbzeit waren wir nicht tough genug. In der Offensive haben wir viele offene Korbleger vergeben und konnten von der Dreipunkt-Linie kaum etwas verwerten. Aber wir hatten gegen eine gute Mannschaft die Chance zum Sieg. Es ist sehr schade, dass es am Ende nicht geklappt hat.“

Für Chemnitz spielten: Joe Lawson 17 Punkte, Robin Lodders 15, Michael Fleischmann 10, Hugh Robertson 10, Andrzej Mazurczak 6, Brad Tinsley 5, Malte Ziegenhagen 2, Daniel Mixich 2 und Arne Wendler.

Für Heidelberg spielten: Eric Palm 16 Punkte, Niklas Würzner 12, Niklas Ney 12, Shy Ely 10, Jaleen Smith 8, Martin Seiferth 3, Lukas Rosenbohm 1 und Lennart Steffen.

 

Quelle: Lukas Robert MLP Academics Heidelberg :: USC Heidelberg